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Grundversorgung: Missstände nur Symptome eines kranken Systems [Presseaussendung, 29.11.2013]
asylkoordination österreich fordert bundesweit verbindliche Qualitätsstandards
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„Es ist eigentlich erstaunlich, dass es zehn Jahre gebraucht hat, dass die politisch verantwortlichen Landesrätinnen und Landesräte sich des Themas der Grundversorgung annehmen“, kommentiert die Obfrau der asylkoordination, Anny Knapp, den heutigen Grundversorgungsgipfel im niederösterreichischen Stift Göttweig. Bisher wurde im Koordinationsrat immer nur auf Beamtenebene verhandelt oder es wurden für große mediale Inszenierungen gleich die Landeshäutleute bemüht.

Verbindliche Standards
Die Frage der Bundesländer-Quoten, die am Vortag des Treffens wieder diskutiert wurde, sollte nicht die Sicht auf die wesentlich wichtigere Frage der Qualität der Grundversorgung verstellen. Die asylkoordination fordert gemeinsam mit den operativ in der Grundversorgung engagierten NGOs seit Jahren bundesweit einheitliche und verbindliche Standards für die Grundversorgung.
Anny Knapp: „Was nutzt eine erfüllte Quote, wenn die zur Verfügung stehenden Quartiere wegen baulicher Mängel oder der räumlichen Abgelegenheit eigentlich für eine menschenwürdige Unterkunft nicht geeignet sind.“ Bezüglich der Qualität der Grundversorgung sollte eine andere Quote viel mehr zu denken geben: die absurde Quote von 1:170 für die soziale Betreuung von AsylwerberInnen.

Beachtung besonderer Bedürfnisse
„Verschimmelte Wände und verschmutzte Küchen sind nur die Spitze des Eisbergs einer menschenrechtlich bedenklichen Praxis“, kritisiert Knapp das System der Grundversorgung. „Die Flüchtlinge werden bestenfalls verwahrt. Viele haben in ihren Herkunftsländern und auf der Flucht sehr viel mitgemacht und würden dringend eine intensivere Betreuung brauchen.“ Gefordert wird von den NGOs nicht nur ein Ende der problematischen Praxis, AsylwerberInnen in ausrangierten Tourismusbetrieben an abgelegenen Standorten unterzubringen, sondern auch mehr Rücksichtnahme auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der AsylwerberInnen. Besonders Menschen mit gesundheitlichen Problemen sowie Kinder und Jugendliche sollen eine Betreuung nach allgemein gültigen Standards bekommen.

Integration vom ersten Tag an
Einen weiteren wichtigen Aspekt möchte die asylkoordination besonders nachdrücklich in die laufende Diskussion einbringen: Integration vom ersten Tag an. Dazu gehören Sprachkurse und andere Qualifizierungsmaßnahmen eben so wie ein möglichst schneller Zugang zum Arbeitsmarkt. „Die Menschen haben oft vielfältige Kompetenzen, für die sich aber niemand interessiert“, kritisiert asylkoordination Obfrau Knapp. Da die meisten Flüchtlinge weder Papiere noch formelle Qualifikationen vorweisen können, müssen sie nach der Anerkennung mit Hilfsarbeiten vorlieb nehmen. „Die Zeit während des Asylverfahrens könnte sinnvoll genutzt werden, stattdessen werden die Menschen durch das erzwungene Nichtstun psychisch zermürbt“.
„Jede Investition in eine ordentliche Grundversorgung erspart den Flüchtlingen menschliches Leid und dem Staat die Folgekosten der institutionellen Desintegration, die heute in der Grundversorgung stattfindet,“ appelliert Knapp auch an die ökonomische Vernunft der Verantwortlichen.


Rückfragen an

Anny Knapp, asylkoordination österreich
knapp@asyl.at
Tel. + 43 1 53 212 91 – 15 
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Herbert Langthaler
mobil +43 699 10389505