Asylverfahren | Archiv

Susanne Scholl - Empörung über Abschiebungen [17.05.2010]

Offener Brief an

Herrn Bundeskanzler Werner Faymann
Frau Innenministerin Maria Fekter
Herrn Außenminister Michael Spindelegger


Meine Großeltern konnten im Dezember 1939 gerade noch aus Nazi-Österreich nach Belgien entkommen. Willkommen waren sie dort nicht. Man forderte sie immer wieder auf, das Land zu verlassen und drohte ihnen mit Abschiebung - nach Nazi-Deutschland. Am Ende haben die Nazis sie in Belgien eingeholt - und ermordet.

Ich verdanke mein Leben der Tatsache, dass England meine Eltern nicht abgeschoben hat - und nicht von den Nazis eingenommen wurde.
Ich nehme mir aber nicht nur deshalb das Recht heraus an Sie, die Sie dieses Land regieren, einige Fragen zu stellen. Als Österreicherin und Mensch mit Gewissen frage ich Sie:

1. Wissen Sie nicht, dass die große Mehrheit jener, die heute in Österreich Zuflucht suchen, das tut, weil sie an Leib und Leben bedroht ist?

2. Wissen Sie nicht, was auf die Menschen, die jetzt Tag für Tag wie Kriminelle außer Landes gebracht werden, zukommt? Welches Schicksal die meisten dort erwartet, wohin sie von Österreich aus verfrachtet werden?

3. Wissen Sie nicht, wie viele jener, die jetzt plötzlich unbedingt abgeschoben werden müssen, seit Jahren hier leben und nur eben das wollen: in Ruhe und Sicherheit hier leben?

4. Glauben Sie nicht, dass schnelle und faire Asylverfahren die Lage wesentlich besser entspannen würden als willkürliche Abschiebungen?

5. Glauben Sie nicht, dass wirkliche Experten - also Menschen, die die Situation tatsächlich gut kennen - die Lage in den jeweiligen Ländern, aus denen die Flüchtlinge kommen, beurteilen sollten und nicht desinteressierte überforderte Beamte?

6. Glauben Sie nicht, dass eine Arbeitserlaubnis den Menschen nicht nur eine Perspektive geben würde sondern auch verhindert, was Sie Sozialschmarotzertum nennen?

7. Glauben Sie nicht, dass zutiefst traumatisierte Menschen von ausgebildeten Psychologen und nicht von überforderten Polizisten einvernommen werden sollten?

8. Glauben Sie nicht, dass gerade Österreich eine besondere Verpflichtung hat, Menschen in Not zu helfen?


Hochachtungsvoll
Dr. Susanne Scholl

Rückfragehinweis:
Susanne Scholl
1080 Wien
E-Mail: susannescholl@hotmail.com



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