Abschiebungen trotz Eskalation im Bürgerkrieg
Anfang Oktober 2016 wurde zwischen der EU und der afghanischen Regierung ein Rückübernahmeabkommen geschlossen der euphemistische Titel: „Joint Way Forward on migration issues between Afghanistan and the EU“ (siehe pdf weiter unten).
Während in Deutschland die ersten Sammelabschiebungen für abgelehnte afghanische AsylwerberInnen stattgefunden haben und auch Österreich Vorkehrungen zu solchen Abschiebungen trifft, hat sich die Sicherheitslage in dem seit fast 40 Jahren von Bürgerkriegen zerrissenen Land auch 2016 wieder dramatisch verschlechtert.

Wie UNAMA, die United Nations Assistance Mission to Afghanistan, Anfang Februar 2017 bekannt gab, ist die Zahl der zivilen Opfer der Kampfhandlungen gegenüber dem Vorjahr erneut um drei Prozent gestiegen: 2016 kamen 3,498 ZivilistInnen ums Leben, 7.920 wurden verletzt. Besonders alarmierend ist die Zahl der Kinder, hier zeigt die Opferbilanz einen Anstieg von 24 Prozent auf 923 Tote und 2.589 Verletzte.
Unter diesen Umständen Menschen zurückzuschieben wird von NGOs wie PRO ASYL und auch der asylkoordination heftig kritisiert.

Österreich wurde in den letzten Jahren eines der wichtigsten Zielländer für afghanische Flüchtlinge. 2015 kamen 25.563, im Jahr 2016 trotz massiver Abschottungsmaßnahmen der EU immer noch 11.742. 

Laut dem in Genf lehrenden italienischen Afghanistan-Spezialisten Alessandro Monsutti sind es vor allem vier Gruppen, die in den vergangenen Jahren nach Europa geflüchtet sind.
  1. Unbegleitete Minderjährige und junge Erwachsene (viele Hazara, die Flüchtlinge im Iran oder Pakistan waren)
  2. Erwachsene (Männer zwischen 20 und 35) aus dem Süden Afghanistans, wo der Konflikt zwischen Regierung und den Taliban besonders heftig tobt.
  3. AfghanInnen, die für internationale Organisationen, NGOs oder Truppen gearbeitet haben.
  4. Junge AfghanInnen, die durch ausländische Organisationen ausgebildet wurden und sich im heutigen konservativen Afghanistan fremd fühlen.


PRESSE
Zunahme der zivilen Opfer von US-amerikanischen Lusftschlägen
U.S. airstrikes rise sharply in Afghanistan — and so do civilian deaths
Los Angeles Times (4. Dezember 2017)

Afghanistan: Displacement Challenges in a Country on the Move
Von Matthew Willner-Reid, Migration Information Source (16. November 2017)
 
Mehrere Tote bei Anschlag in Kabul
Der Spiegel online (16. November 2017)

Die Rückkehr eines der schlimmsten Kriegsverbrecher
Kabul welcomes the Afghan warlord who once shelled its citizens
The Guardian (19. Oktober 2017)

Nur wenige lassen sich zu "freiwilliger" Rückkehr nach Afghanistan überreden.
Bloß nicht Afghanistan. Frankfurter Rundschau (9. Oktober 2017)

Verheerende Anschläge auf Moscheen in Herat und Kabul
Bombers, gunmen attack Shia Imam Zaman mosque in Kabul
Aljazeera (26. August 2017)
Viele Tote bei Anschlag auf Moschee in Kabul
Spiegel online (25. August 2017)
Funerals, protests for Herat mosque bombing victims
Aljazeera (3. August 2017)

Veronika Eschbacher aus KABUL
Jeden Tag Schießpulver in der Luft
Zeit Online (10. August 2017)
Ein Tag in der Hölle
Wiener Zeitung (4. Juni 2017)

Bericht von Al Jazeera über die Abschiebungen aus Deutschland
Afghanistan: Asylum Denied
Europe is deporting thousands of Afghans back to a country which has been embroiled in chaos and war for decades.


Verheerender Anschlag auf Kaserne in Nord-Afghanistan
‘A Shortage of Coffins’ After Taliban Slaughter Unarmed Soldiers
New York Times (22. April 2017)

Selbstmordanschlag in Kabul während Abschiebung
The New York Times (13. März 2017)

Österreich will unbescholtenen 19-jährigen nach Kabul abschieben
derStandard (11. März 2017)


Inderview mit  der afghanischen Menschenrechtsaktivistin Hoia Mosadiq
derStandard (7. März 2017)

'Not Even Dogs Live Like This'
Afghan Refugees Return Home To Find Squalid Conditions
Bericht über Rückkehrer aus Pakistan, die unter menschenunwürdigen Bedingungen in der Umgebung von Kabul hausen müssen.
RadioLiberty (17. Februar 2017)


LITERATUR

Afghanistan: Migration Profile
IOM 2014

Afghanistan. A Cultural and Political History.
Thomas Barflied 2010
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