Abschiebungen trotz Eskalation im Bürgerkrieg 
Anfang Oktober 2016 wurde zwischen der EU und der afghanischen Regierung ein Rückübernahmeabkommen geschlossen unter dem euphemistischen Titel: „Joint Way Forward on migration issues between Afghanistan and the EU“ (siehe pdf weiter unten). Dieses Abkommen erleichtert Abschiebungen nach Afghanistan und könnte in Zusammenhang mit vermehrten negativen Bescheiden in Zusammenhang stehen.
Während Österreich Sammelabschiebungen nach Afghanistan durchführt, hat sich die Sicherheitslage in dem seit fast 40 Jahren von Bürgerkriegen zerrissenen Land weiterhin dramatisch verschlechtert. 

Wie UNAMA, die United Nations Assistance Mission to Afghanistan, im Februar 2018 bekannt gab, ist die Zahl der zivilen Opfer der Kampfhandlungen auch 2017 sehr hoch: Es kamen 3,438 ums Leben und 7015 wurden verletzt. Besonders alarmierend ist die Zahl der betroffenen Kinder, von denen 2017 insgesamt 3,179 der Gewalt zum Opfer fielen.

Auch die oftmals als "sicher" bezeichneten großen Städte werden regelmäßig von Terrorattacken heimgesucht. In Kabul kamen allein seit Beginn des Jahres bei über 20 Anschlägen mehr als 400 Menschen ums Leben. Auch in den Großstädten im Norden und Westen kam es in den letzten Jahren vermehrt zu Anschlägen.
Die Berichte über die Sicherheitslage außerhalb der Städte zeichnen ein ganz düsteres Bild: Nur noch etwas mehr als Hälfte des Staatsgebietes wird von der afghanischen Regierung kontrolliert. Im Herbst 2017 haben sowohl die Regierungstruppen als auch die Taliban und ISK ihr Angriffe forciert.
Unter diesen Umständen Menschen zurückzuschieben wird von NGOs wie PRO ASYL und auch der asylkoordination heftig kritisiert. 

Österreich wurde in den letzten Jahren eines der wichtigsten Zielländer für afghanische Flüchtlinge. 2015 kamen 25.563, im Jahr 2016 trotz massiver Abschottungsmaßnahmen der EU immer noch 11.742. Im Jahr 2017 gab es nur noch 3,781 neue Asylanträge von AfghanInnen. Über 80% der afghanischen Flüchtlinge bekamen 2017 entweder Asyl oder subsidiären Schutz zuerkannt. Die Unterstellung, die meisten AfghanInnen hätten nur wirtschaftliche Gründe für ihre Flucht, wird von dieser Statistik eindeutig widerlegt.

Laut dem in Genf lehrenden italienischen Afghanistan-Spezialisten Alessandro Monsutti sind es vor allem vier Gruppen, die in den vergangenen Jahren nach Europa geflüchtet sind.
  1. Unbegleitete Minderjährige und junge Erwachsene (viele Hazara, die Flüchtlinge im Iran oder Pakistan waren)
  2. Erwachsene (Männer zwischen 20 und 35) aus dem Süden Afghanistans, wo der Konflikt zwischen Regierung und den Taliban besonders heftig tobt.
  3. AfghanInnen, die für internationale Organisationen, NGOs oder Truppen gearbeitet haben.
  4. Junge AfghanInnen, die durch ausländische Organisationen ausgebildet wurden und sich im heutigen konservativen Afghanistan fremd fühlen.
Dennoch sind die negativen Bescheide für schutzsuchende AfghanInnen in den letzten Monaten trotz der verschlechterten Sicherheitslage in Afghanistan angestiegen. Beinahe 20% der AfghanInnen droht nach einem negativen Bescheid auch in zweiter Instanz die Abschiebung in ihr „Heimatland“, in dem viele von ihnen nur wenige Jahre, manche auch nie gelebt haben.


PRESSE
Hier finden Sie Meldungen aus verschiedenen, in erster Linie europäischen und US-amerikanischen Medien, über Anschläge auf militärische und zivile Ziele in Afghanistan, aber auch Reportagen von JournalistInnen vor Ort.

Afghanische Medien
Im Folgenden finden Sie Links zu einigen afghanischen Nachrichtendiensten, die auch auf Englisch berichten.

TOLONews
Pajhwok Afghan News
Khaama Press
1 TV News
Ariana News


LITERATUR
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