Asylfakt - Twitterkonter gegen FakeNews und Co.
von Lukas Gahleitner-Gertz
Mit dem Projekt #Asylfakt versucht unser Sprecher Lukas Gahleitner-Gertz herumschwirrende Zahlen und Infos zum Thema Asyl und Migration einzuordnen und Kontext zu geben.
 
14.11. Asylfakt #25
Der Boulevard schlägt (mal wieder) mit LR Waldhäusl und FPÖ-Chef Kickl Alarm:

100.000 Anträge in Österreich, bis zum Jahresende seien es 120.000 und dazu noch 60.000 aus der Ukraine.
"Das bedeutet..., dass bis 31. Dezember 180.000 Fremde in Österreich sein werden," so die Krone.

Richtig ist, dass wir Anfang vergangener Woche 93.000 Asylanträge hatten. Das bedeutet, dass wir voraussichtlich diese Woche den 100.000sten Antrag sehen werden. Das ist mehr als 2015 (88.000).
Die Situation ist aber doch ganz anders als 2015. Damals sind ca 1.000.000 Menschen durch Österreich durchgezogen. Diese wurden meist nicht registriert sondern einfach durchgewinkt.
Anträge in Deutchland im Vergleich:
2015: 476.649
2016: 745.545
2022: 181.612
Das sind nicht wenig, aber nur 38% von der Zahl im Jahr 2015.

Die Aussagekraft von Asylanträgen in Österreich hat sich seit 2015 massiv geändert:
Die Antragszahlen sind höher, es bleiben aber weniger Menschen hier. Wurden etwa 2018 nur 9% der Verfahren eingestellt, weil Personen weitergezogen sind, waren es bis Ende September bereits 41% aller Erledigungen.

Die Dunkelziffer bei den Einstellungen ist wohl doppelt so hoch. Das sehen wir in den Grundversorgungszahlen:
Asylwerber:innen in der Grundversorgung
1. Jänner 2022: 17.252
11. November 2022: 21.164
Die 93.000 Anträge bis jetzt führten zu einem Anstieg von ca 3.900 Plätzen in der Grundversorgung.
Dazu ein interessanter Vergleich:
Unter Innenminister Kickl waren Ende 2018 mehr Asylwerber:innen in der Grundversorgung als jetzt, nämlich 27.287, also 30% mehr.
Auch die Anerkennungsquote war unter Kickl höher als jetzt.
Q: Beilage zu PA 2283/J vom 15. November 2018; Asylstatistik BMI

Die tatsächlichen Herausforderungen gibt es wegen der großen Anzahl von Vertriebenen aus der Ukraine.
Die Zahlen dazu:
Einreise 465.500
Ausreise 378.000
Derzeit befinden sich 55.000 Ukrainer:innen in Grundversorgung, das sind 60% aller Vertriebenen.
Und wie schauts in "Waldhäusls Niederösterreich" aus?
Von den 21.164 Asylwerber:innen befinden sich 1.335 in der NÖ-Landesgrundversorgung.
2.800 sind in Bundesbetreuungseinrichtungen, die in NÖ liegen.
Waldhäusl hat seit Juni Plätze für Asylwerber:innen abgebaut. Er will die Eskalation und die ÖVP legt ihm die Elfmeter dafür auf.


Fazit:
Asylanträge und Ukrainer:innen in Grundversorgung zusammenzurechnen ergibt keinen Sinn.
Ja, die Situation ist herausfordernder als 2015, weil wir sehr viele Menschen aus der Ukraine haben und im Winter wohl noch mehr kommen.
Von den Personen aber, die Asylanträge stellen, bleibt nur ein Bruchteil in Österreich.







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